Gesunde Muskelspannung

29. September 2022

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Losgelassenheit, nachhaltiges Training und eine gesunde Muskelspannung.

Das sind die drei Stichwörter, die meistes in Bezug auf das Training fallen.

Was haben alle drei gemeinsam?

  • nachhaltiges Körpertraining
  • gesunde Psyche
  • angepasstes Training
  • ausgeheilte alte Wunden (egal ob psychisch oder körperlich)
  • passendes Equipment
  • bewusster und achtsamer Tierhalter/Tiertrainer

 

 

Verspannungen, Zickereien, Unstimmigkeiten, Klemmigkeit, keine Freude am Training sind häufige Anrufe bei mir. Oft werden mir Tiere als bockig und als Baustelle vorgestellt. Doch woran liegt es, dass die Tiere häufig nicht kooperieren, keine Muskulatur aufbauen und es einfach nicht so kommen will, wie geplant:

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  • unpassende Einschätzung des Gesamtzustandes des Tieres
  • unerkannte Bedürfnisse beiderseits!
  • unentdeckte, verschleppte und/oder unausgeheilte Erkrankungen
  • übergriffiges Verhalten im Training
  • zu hohe Einschätzung des Fitnesszustandes des Tieres
  • mangelndes Wissen des Tierhalters
  • fehlende Beurteilungsfähigkeit (mangelnde Augenschulung)

 

 

Eines ist klar, die meisten Tierhalter schaden ihren Tieren nicht aus Absicht und Böswilligkeit. Dennoch schadet den Tieren mangelndes Wissen und fehlende Empathie. Sätze wie „So geht’s doch leichter und schneller.“ „Es sind doch nur 10 Minuten“ und „Er soll sich mal nicht so anstellen“ haben absolut nichts im Training zu suchen. Über die Gefahr der Gewöhnung an eine Situation, Gangbild und Gesundheitszustand hatte ich bereits geschrieben.

 

Das man aus Zeitgründen, Unwissenheit oder Bequemlichkeit das persöhnliche Recht des Tieres einschränkt, muss im Zeitalter der Fortbildungen, Seminare und Webinare ein Ende nehmen. Wir können als Tierhalter so viel mehr bewirken, wenn wir unseren Tieren zuhören, es bewusst annehmen und lernen ihre Körpersprache zu verstehen.

Was kann man also als Tierhalter anderst machen? Also erstes Back-to-the-roots. Wo hat das Tier am meisten Probleme:

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Wie läuft die Mensch-Tierkommunikation? Versteht man sich blind, reicht es im Sattel den Körper zu drehen ohne Handhilfen zu kommunizieren, reicht es beim Gassi stehen zu bleiben und der Hund versteht es ohne Nachdruck? Wie sensibel seid ihr miteinander, reicht ein kleiner Impuls oder braucht es viel Druck? Je weniger Probleme hier bestehen, desto leichter ist alles andere.

 

Sind wirklich alle Baustellen am Tier und! Halter aufgedeckt? Psychische wie körperliche Eigenschaften? Ist alles bekannt? Übersieht man vielleicht etwas? Der Klassiker: Hat sich vielleicht ein Problem eingeschlichen? Sattel, Geschirr, Maulkorb, Zaumzeug, Gebisse, Hufe etc. Passt dort wirklich alles und verursacht keine Probleme? Kein Sattel-oder Gurtzwang? Drückt der Maulkorb nicht doch auf das Nasenbein und stichelt den Hund zusätzlich an? Gibt es alte Probleme die wieder aufflammen? Ist wirklich jede Hilfe ausgeschöpft? Bist du 100% mit deinem Kopf beim Training, ohne Ablenkung, schlechte Gedanken (Tiere spüren solche Sachen, Stichwort Gedankenhygiene), das Handy im Flugmodus und lautlos? Bist du ohne Probleme selbst fit genug fürs geplante Training?

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Wie steht es um die eigenen Fortbildungen und das Wissen? Kennst man die Körpersprache und Kommunikation des Tieres genau? Wird Unsicherheit, Unwohlsein und Schmerz genau erkannt? Und dementsprechend gemanagt? Wie steht es um die eigenen Fähigkeiten? Sind die Trainingsmethoden nachhaltig, pro Muskulatur ausgelegt, ist man auf dem aktuellen Stand? Das Fitnesslevel passt genau zum Tier und erkennt man ein taktreines Gangbild beim eigenen Tier? Also individuelles schmerzfreies Wohlfühlgangbild?

 

Warum ich gerade die oben genannten Punkte so anspreche? Es wird immer von der Muskelspannung gesprochen, dennoch wird diese nicht nur vom Training beeinflusst. Ein Muskel hat immer eine gewissen Ruhespannung. Geht’s in die aktive Phase wird die Spannung erhöht, ist das Tier gerade in einer ruhigen Phase entspannt der Muskel. Sollte es jetzt, aber immer mehr Stress, von vielen Seiten geben, erhöht die Spannung dauerhaft und der Muskel entspannt nicht mehr so, wie er sollte. Diese teils massiven Verspannungen, interpretieren viele als gute Trainingsmuskulatur … und so entsteht ein Teufelskreis. Die Psyche spielt eine große Rolle bei der Muskelspannung. Wenn ich Tiere behandeln soll, die sehr ängstlich oder zurückhaltend sind, brauche ich nicht an eine Massage oder Mobilisation zu denken. Die Muskeln sind bretthart.

 

Da wird vom Nervensystem eine so hohe Muskelspannung vorgeben (Fight or Flightsyndrom) , gegen die ich erstmal nicht ankomme. Deshalb lege ich immer massiven Wert, auf eine entspannte ruhige Umgebung, Gewöhnung an mich und die Situation. So komme ich auch an die Muskulatur, kann Gelenke mobilisieren und kann dort helfen.

Und genau aus diesem Grund muss auch das Training pro Tier laufen. Erstens aus Respekt und zweitens um die Muskulatur gut zu trainieren. Wir wollen etwas vom Tier und dementsprechend ist es unsere Pflicht.

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Viele „Zwangsmethoden“(für mich alles was das Tier einschränkt, klar Sattel und Leine gehören auch dazu. Dennoch können sich die Tiere hier bei gutem Equipment, fast frei bewegen) ein kleines Beispiel:

 

Ausbinder beim Pferd oder das Halti beim Hund. Klar kann man damit schneller das Tier beeinflussen und die Bewegungen kontrollieren. Oft besteht hier aber genau das Problem. Oft sind sie zu massiv in der Benutzung, falsch eingesetzt oder die Ursprungsproblematik nicht erkannt. Dennoch geschieht es meist mit Widerstand des Tieres, der ignoriert wird. (Und ja die meisten Tiere kapitulieren bei solchen oder ähnlichen Situationen und ertragen es still) Man nimmt sich sehr oft nicht mehr die Zeit, die das Tier braucht. Jede Seele auf dieser Welt, braucht seine Zeit für die eigenen Baustellen. Und so kommen wir zur Psychosomatik. Hier wird ganz klar erläutert, dass die Seele eine Krankheit bildet (über Gehirnreaktionen und darauffolgenden Körperstoffwechselfunktionen) , wenn die Seele nicht gehört wird.

 

Klar kann man einiges noch nicht wissenschaftlich bestätigen. Aber mal ehrlich Hand aufs Herz, für Emotionen und Mitgefühl brauche ich keine Studie… Dennoch frage ich mich langsam schon, woher die vielen Magengeschwüre beim Pferd kommen oder die vielen Magen-Darmbeschwerden beim Hund. Vieles ist genetisch und klassisch körperlich pathologisch. Das ist nur mal eine Beobachtung und ein neuer Gedankenanstoß. (Der zugegeben immer lauter wird, sonst würde ich die Fortbildung nicht machen ;)) Je mehr das Tier im Training in Stress gerät, desto verkrampfter sind die Muskeln. Um eine kräftige gut gespannte, gesunde Muskulatur aufzubauen, braucht es die Kooperation des Tieres. Und diese zu erkennen, ist eine Kunst geworden 😉 

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Stundenlang könnte ich hier noch weiterschreiben. Aber um zum Schluss zu kommen. Ich nehme mir bei jedem Termin Zeit um Trainingsschritte, Tipps und Aufklärung weiter zugeben. Nur so können Mensch und Tier gleichermaßen glücklich und dauerhaft so gesund wie möglich leben. Euch eine gute Zeit und viel Spaß beim Training.